Pflegeleichte Dickhäuter für den Garten

20. Oktober 2010 | Kategorie: Stauden

(GMH/BdS) Die Fetthenne (Sedum) wurde vom Bund deutscher Staudengärtner (BdS) zur Staude des Jahres 2011 gewählt. Sie gehört zu den pflegeleichten Pflanzen im Garten und fühlt sich an vielen Standorten wohl. Der deutsche Name Fetthenne bezieht sich auf ihre dickfleischigen Blätter. Sie dienen als Wasserspeicher und machen die Pflanze zu einem Trockenheitsspezialisten, der auch auf steinigen und mageren Böden gut gedeiht.

Pflegeleichte Dickhäuter für den Garten

Auch Hühner können von Sedum (Fetthenne) nicht genug bekommen: Die stattliche Henne ‚Trude‘ sieht sich die Staude des Jahres 2011 einmal ganz aus der Nähe an. (Bildnachweis: GMH/ Peter Behrens)

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„Anspruchslosigkeit und Lebenskraft, vielseitige Verwendbarkeit, Schönheit und Gesundheit sind die Eigenschaften von Sedum“, verrät Jan Weinreich, Staudengärtner aus Wolmirstedt. Diese Eigenschaften machen Sedum zur idealen Pflanze für die Dachbegrünung oder für den Steingarten. Aber auch als Pflanze für Beete, in der Grabgestaltung, für Töpfe oder im Staudenbeet sind Sedum bestens geeignet. Das Angebot der Staudengärtnereien reicht heute von teppichbildenden Pflanzen, die nur wenige Zentimeter hoch werden, bis hin zu Arten, die eine Höhe von bis zu 60 cm erreichen. Viele Sedum-Pflanzen ziehen im Winter ein und tanken Kraft für die kommende Saison. Es gibt aber einige Arten, die wintergrün sind und mit ihrem schönen Blattwerk auch in der kalten Jahreszeit für Struktur und Attraktivität im Garten sorgen. Sedum sind äußerst genügsam. Alle Fetthennen lieben die Sonne und brauchen einen durchlässigen Boden. Sie kommen zum Teil sogar mit halbschattigen Standorten zurecht. Einzig Staunässe vertragen die Pflanzen nicht.

Strukturstarke Zwerge

Die Gattung Sedum umfasst rund 500 Arten, die vorwiegend in nördlichen Breitengraden vorkommen. „Einige Arten sind schon seit langem in unseren Gärten heimisch“, berichtet Weinreich. „Es sind insbesondere teppichbildende Arten, die auf  Mauern und Dächern gesetzt wurden, um dem Volksglauben nach vor Blitzschlag zu schützen“, so der Experte. Ob hoch oben auf dem Dach, als Unterpflanzung, in Töpfen oder im Steingarten – die anspruchslosen kleinwüchsigen Sorten fühlen sich an sonnigen, durchlässigen Standorten wohl und bilden dort dichte Kissen. Sie zeichnen sich durch eine attraktive üppige Blüte und ihr farbenfrohes Laub aus. Die ornamentalen Blattrosetten sind auch ohne Blüte eine Zierde, da die Blattfarben je nach Art von Graugrün, Grün, Gelb über Kupferrot bis hin zu einem silbrigen Farbton reichen können. Die Blüte zeigt sich bei den meisten Sorten von Juni bis August in Weiß oder Gelb. Die Sorte ‚Fuldaglut‘ (Sedum spurium) leuchtet sogar in Karminrot. „Besonders beeindruckt mich die Robustheit der Pflanzen“, so Gärtner Björn Bofinger. Auch an trockenen oder sonnigen Standorten bilden die Pflanzen zuverlässig schöne Blatt- und Blütenteppiche. Viele kleinwüchsige Sedum färben sich im Herbst nochmals in attraktiven Farben, so die Sorte ‚Coral Carpet‘ (Sedum album), die von Grün zu einem intensiven Korallenrot wechselt und damit zusätzlich für einen Farbe im herbstlichen Steingarten sorgt.

Sedum sorgt für attraktive Kontraste

Höherwüchsige Sedum-Vertreter eignen sich wunderbar für Staudenbeete. Sie sind vom Austrieb über die Blüte bis hin zum Samenstand attraktiv. Je nach Sorte bilden sie von Juli bis Oktober 30 bis 60 cm hohe Blütenschirme. „Die Züchtung hat die hohen Fetthennen entdeckt“, berichtet Sedum- Liebhaber Weinreich. Mittlerweile gibt es Sorten, die in kräftigem Rosarot, Weiß, Hellrot oder leuchtend Dunkelrot blühen. Im Staudenbeet pflanzt man sie gerne in kleinen Gruppen. Besonders gut lassen sich hohe Sedum mit Pflanzen kombinieren, die aufrechte Strukturen aufweisen. Diese bilden wunderbare Kontraste zu den tellerförmigen Fetthennen-Blüten. Gräser wie Federgras (Stipa) oder Reitgras (Calamagrostis) sind geeignete Partner. Zusammen mit Herbstastern, herbstblühenden Gehölzen oder Zwergkoniferen zieren sie jeden Garten. Ebenfalls ein wertvoller Spätblüher, der etwa 25 cm hoch wächst, ist die Sedum cauticola ‚Robustum‘. Besonders schön ist die lang anhaltende karminrote Blüte im September bis Oktober. Die Sorte besitzt rötliche Triebe und blau bereifte, rötlich geränderte Blätter. Im Herbst werden diese Fetthennen außerdem zum Magneten für Schmetterlinge und andere Insekten. Auch die hohen Sorten bevorzugen sonnige Standorte. Auf feuchten und zu stark gedüngten Plätzen nimmt die Standfestigkeit der Pflanzen ab. Auch nach der Blüte haben hohe Fetthennen eine vornehme Wirkung: Mit Reif oder Schnee geziert, sorgen sie neben Gräsern auch im Winter für ein edles Erscheinungsbild des Gartens. Daher schneidet man die Blüten erst im Frühjahr zurück.

Wussten Sie schon, dass…

Sedum eine Pflanze für „faule“ Gärtner ist? Einmal gepflanzt, wachsen sie ohne besondere Pflege an den extremsten Standorten im Garten. „Wenn sonst nichts mehr wächst, dann sollten Sie es noch einmal mit Sedum probieren“, rät Gärtner Björn Bofinger, der in seiner Staudengärtnerei viele Sedum- Sorten heranzieht. Die pflegeleichten Pflanzen begnügen sich mit dünnen Substratschichten und breiten sich an den unwirtlichsten Stellen aus. Voraussetzung ist ein sonniger Standort. Staunässe muss unbedingt vermieden werden, sonst faulen die Pflanzenwurzeln. Aufgrund ihrer Anspruchslosigkeit sind die Pflanzen auch in Töpfen sehr empfehlenswert und dekorativ. „Wir haben mit Fetthennen schon allerlei Gefäße bestückt, erzählt Bofinger. Sein Gestaltungstipp: „Witzig sehen die attraktiven Dickhäuter zum Beispiel in alten Schuhen, Töpfen oder Dosen aus.“ Auch ein alter Tisch, auf dem eine dünne Erdschicht aufgebracht wird, kann als Plattform für den Sedumauftritt dienen. Wichtig ist, dass der Wasserabzug gewährleistet ist. Deshalb sollten alle Gefäße mit Löchern oder einer ausreichenden Drainageschicht versehen werden. Dekorativ in Gefäßen sind vor allem die kleineren Arten wie Sedum ewersii ‚Nanum‘ oder Sedum cauticola ‚Robustum‘ mit silbergrauen, rötlich gerandeten Blättern.

Staudentipp des Monats

Mit Sedum lassen sich sowohl Blatt-, als auch Blütenakzente setzen. Neuere Züchtungen von Sedum entfachen ein wirkliches Farbenfeuerwerk im Garten. Besonders beliebt sind Auslesen, die markante Rottöne in Blüte, Blatt und Blütenstiel zeigen, wie die robuste Sorte ‚Matrona‘ (Sedum maximum-Hybride). Sie schmückt sich mit dunkelrotem Laub, wird 50 cm hoch und trägt auf roten Blattstielen rosarote Tellerblüten. Eine neue attraktive Sorte ist die etwa 20 cm hoch wachsende ‚Angelina‘ (Sedum reflexum). Sie ist wintergrün und zeigt ihr leuchtend orange-gelbes Laub und ihre gelben Blüten im Zeitraum von Juli bis August. Im Winter trägt die Sorte ein attraktives rötliches Blätterkleid. An sonnigen Standorten ist die Intensität der Blatt- und Blütenfarben besonders hoch, an zu schattigen Plätzen bilden die Pflanzen die Farben weniger intensiv aus. Der Rückschnitt der Blütenstände sollte erst im Frühjahr erfolgen, da die Blütenstände dem winterlichen Garten Struktur geben. Nicht nur an der Pflanze sind die Blüten der Fetthenne attraktiv, auch als Schnittblume eignen sich vor allem hohe Fetthennen. In Herbstkränzen lassen sich Sedum-Blüten zusammen mit Hortensien, Clematis oder Hagebutten wunderbar einarbeiten. Sie trocknen ein und sind dann sehr lange haltbar.

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