(GMH) „Es gehört zu den Funktionen des Mannes, dass er grundsätzlich der Erhalter und Ernährer der Familie ist, während die Frau es als ihre vornehmste Aufgabe ansehen muss, das Herz der Familie zu sein.“ Dieser Satz entstammt nicht etwa einem aktuellen Kabarettprogramm, sondern ist so wortwörtlich in der Einführung zum deutschen zivilrechtlichen „Gleichberechtigungsgesetz“ von 1957 nachzulesen.

Am 8. März wird der Internationale Frauentag gefeiert: Blumen als Zeichen

Bildunterschrift: Ob kämpferisches Rot oder selbstbewusstes Violett: Blumen als Zeichen der Verbundenheit sind am Weltfrauentag sehr beliebt. (Bildnachweis: GMH)

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Noch in den 50er Jahren war die gesellschaftliche Rolle der Frau nahezu ausschließlich auf die der Mutter und fürsorglichen Gattin beschränkt. In Kursen und über entsprechende „Fachliteratur“ konnte sich das treusorgende Weib darüber informieren, wie es dem arbeitsamen Gatten das häusliche Leben so angenehm wie möglich gestalten konnte. Heute entlocken uns derartige Texte ein verblüfftes Lachen – dem einen oder anderen Mann vielleicht noch ein verschmitztes Grinsen und den Kommentar, dass dieses System so schlecht nicht gewesen sei – scheinen die beschriebenen Zustände doch schon so lange zurückzuliegen. Dass dem nicht so ist und Gleichberechtigung und Frauenrechte in vielen Gesellschaften bis heute ein Fremdwort sind, daran erinnern die UN seit 1977 alljährlich am 8. März mit dem „Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden“.

Frauen und Männer treten vielerorts gemeinsam für Frauenrechte ein

Dieser Tag, der auf einen Beschluss der „Internationalen Konferenz Sozialistischer Frauen“ 1910 in Kopenhagen zurückgeht, hat eine lange und durchaus wechselvolle Geschichte: Ursprünglich initiiert, um auf den Kampf für das Frauenwahlrecht aufmerksam zu machen, wurde er bald in zahlreichen Ländern weltweit zum Symbol für die Frauenrechte überhaupt. Während er nach dem Zweiten Weltkrieg in der DDR offiziell gefeiert wurde, geriet der Tag in Westdeutschland vorübergehend etwas in Vergessenheit. Mehr als ein Jahrzehnt nach der Deutschen Wiedervereinigung erfreut sich der Frauentag heute im Osten wie im Westen wieder zunehmend größerer Beliebtheit, wohl auch deshalb, weil er in zeitgemäßerem Gewand jenseits ideologischer Grabenkämpfe erscheint. Konkrete politische Forderungen gehen vielerorts Hand in Hand mit fröhlichen Feiern anlässlich des bereits Erreichten. Dazu zählt auch, dass die Zeiten vorbei sind, in denen sich die Rolle der Männer an diesem Tag auf das Überreichen roter Nelken beschränkte. Sie sind im Gegenteil sehr erwünscht als aktive Unterstützer einer Bewegung, die zum Nutzen ganzer Gesellschaften aktiv ist – wenn sie ihrer Frau, Mutter oder Freundin zusätzlich einen schönen Blumenstrauß mitbringen, wird sich aber garantiert keine darüber beschweren…

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Von roten Nelken und Veilchensträußen: Farbensymbolik in der Frauenbewegung

Blumengeschenke bereiten auch emanzipierten Frauen Freude, sind sie doch seit jeher ein Ausdruck von Liebe, Verehrung und Solidarität – und werden darum nicht zuletzt auch gerne von Frauen untereinander gemacht. Zum Frauentag wurden jahrzehntelang vor allem rote Nelken verschenkt, denn die Frauenbewegungen hatten ihren Ursprung vielerorts im Sozialismus und übernahmen mit der roten Nelke zunächst auch eines dessen Symbole. Später löste eine andere Farbe das kämpferische Rot ab: Lila beziehungsweise Violett wurde nun die Farbe der emanzipierten Frau. Abgeleitet aus dem Mittelalter, als Veilchensträuße und violette Kleidung Symbole der Unverheirateten waren, betonten die selbstbewussten Frauen des 20. Jahrhunderts damit ihre Eigenständigkeit und Unabhängigkeit. Eine andere Erklärung der Farbwahl besagt, Violett entstehe, wenn das „männliche“ Blau mit dem „weiblichen“ Rosa verschmelze, und drücke somit ebenfalls den Wunsch nach Gleichberechtigung aus. Wer seiner Partnerin am Weltfrauentag seine Verbundenheit erklären möchte, kann dies somit auch heute noch wunderbar „durch die Blume“ sagen: Ein Strauß mit blauem Vergissmeinnicht und rosafarbenen Rosen, vielleicht noch ergänzt mit grünem Beiwerk als Symbol der Hoffnung, zaubert ihr mit Sicherheit ein Lächeln auf die Lippen.

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