Stauden-Knöterich – noch unbekannt und oft verkannt

22. September 2011 | Kategorie: Stauden

(GMH/BdS) Die Familie des Knöterichs beeindruckt durch zahlreiche Arten und Farben. Das leuchtende Rot des Bistorta amplexicaule ‘Speciosum’ beispielsweise färbt ganze Felder bunt. Es gibt Arten für Steingärten, für Beet-, Rabatten- oder Wildstaudenpflanzungen. Diesen bei vielen Gärtnern noch unbekannten Schatz möchte der Bund deutscher Staudengärtner (BdS) im nächsten Jahr zu mehr Bekanntheit verhelfen. Der Knöterich, den es in zahlreichen Gattungen gibt (Persicaria, Polygonum, Bistorta, Aconogonon), wurde vom BdS zur Staude des Jahres 2012 gewählt. Die Vielseitigkeit und Leuchtkraft dieser Familie ist Grund genug, sich einmal näher mit ihr zu beschäftigen und deren Vorzüge im Garten kennenzulernen.

Stauden-Knöterich - noch unbekannt und oft verkannt

Bistorta amplexicaule 'Speciosum' (Bildnachweis: GMH / Bettina Banse)

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Den Namen hat der Knöterich von seinen zahlreichen, deutlich ausgebildeten Nodien (Knoten) an den Stängeln erhalten. Manche Arten wachsen im tiefen Schatten aber auch in der vollen Sonne, manche fühlen sich am Gewässer- oder Gehölzrand wohl. Viele Knöteriche beeindrucken außerdem durch ihre reiche und äußerst dauerhafte Blüte. Sie zeigt sich je nach Gattung in vorwiegend rosa, roten und weißen Farbtönen von April bis zum Frost. Die meisten Knöteriche sind Sommer- oder Herbstblüher, einige duften sogar. Andre Stade, Mitinhaber des Betriebes „Stauden Stade“ in Borken hat viele Knöterich-Pflanzen in seinem Sortiment und gibt Expertentipps zu unterschiedlichen Sorten und ihrer Verwendung.

Der Scheckenknöterich klein und zuverlässig

„Die wohl bekannteste Art bei den Knöterich-Stauden ist der Scheckenknöterich (Bistorta affinis)“, so der Gartenbautechniker Andre Stade. Der Bodendecker wird 10 bis 20 cm hoch und bildet dichte, niedrige Matten. Die Blüte wirkt von Juli bis zum Frost, da sich die weißlichen kolbenförmigen Blütenstände im Laufe der Blüte von Rosa über Dunkelrot, bis hin zu Braun verfärben und immer wieder nachblühen. „Im Halbschatten fühlt er sich in Kombination mit Gehölzen am wohlsten“, erklärt der Staudenexperte: „Gartenbesitzer sollten trockene, heiße Plätze vermeiden, denn das gefällt dem Scheckenknöterich nicht.“ Lässt man im Herbst das Laub liegen, bringt das einen zusätzlichen Frostschutz und die Pflanzen überstehen den Winter gut. Bei den Scheckenknöterich ist die Sorte Bistorta affinis `Superbum´ eine altbewährte Varietät, die zu Beginn einen weißen, später tiefroten Blütenflor und im Herbst eine orangerote Laubfärbung aufweist. Sie wuchert nicht und kann sehr schön mit Wiesen-Iris (Iris sibirca) kombiniert werden. Als kompakt wachsende Variante empfiehlt Stade die Sorte ´Darjeeling Red`, die nur 15 bis 20 cm hoch wird oder die noch niedrigere Sorte `Dimitry´. Die Blüten beider Sorten sind zuerst rosarot und später tief dunkelrot im Verblühen, sie behalten dadurch ihre Attraktivität bis zum Frost.

Manche Knöteriche treiben es bunt

Der bunte Fadenknöterich (Persicaria filiformis `Variegatum´) ist eine sehr auffallende Knöterich-Art. Sie gefällt mit ihren gelb-grün-braunrot-gefleckten Blättern, die tatsächlich aussehen, als wären mit einem Pinsel rote, weiße und braune Farbkleckse auf grüne Blätter gemalt worden. Die Blattschmuckpflanze bringt vom Frühjahr bis in den Herbst Farbe auch in dunkle Gartenecken. Im Sommer ist die Färbung der Blätter besonders intensiv. Der Fadenknöterich wird ca. 70 cm hoch, er wächst senkrecht nach oben und ist völlig unkompliziert. Von September bis Oktober erscheinen die roten feingliedrigen fadenförmigen Ährenblüten, die grazil über dem Laub tanzen. „Decken Sie die Pflanze im Winter zum Schutz mit etwas Reisig ab“, rät Stade.

Staudentipp – Der Garten-Kerzen-Knöterich (Bistorta amplexicaulis)

Ein besonderer Liebling von Andre Stade ist der Garten-Kerzen-Knöterich (Bistorta amplexicaulis). Dieser besticht durch seine kerzenförmigen Blüten von Juli bis Oktober. Das schöne, dichte Blattwerk erscheint sehr früh und bedeckt den Boden schnell, so dass sich das Unkrautjäten zudem in Grenzen hält. „Eigentlich die ideale Pflanze für Menschen, die ihren Garten genießen möchten“, sagt der Staudengärtner. Dieser Knöterich verträgt sowohl trockene als auch feuchte Böden, fühlt sich in der Sonne, aber auch im Halbschatten wohl und übersteht sogar längere Trockenperioden bedenkenlos. Staunässe sollte allerdings vor allem im Winter vermieden werden. Außerdem mögen Schnecken ihn nicht besonders, was dem Gärtner viel Arbeit erspart. „Der Allrounder unter den Knöterichen gehört durch seine Pflegeleichtigkeit, dem zügigen, nicht wuchernden Wuchs und seine attraktiven langanhaltenden Kerzenblüten ins Standardsortiment jeder Gärtnerei“, meint Stade. Erwähnenswert ist die Sorte `Album´(Bistorta amplexicaulis), die weiße Blütenähren von ca. 90 cm Höhe hervorbringt. Sie ist sehr unempfindlich und eignet sich wunderbar für gemischte Staudenpflanzungen. Die Sorte `Speciosum´ (syn. `Firetail´) ist ebenfalls ein Hingucker. Sie zeigt ihre 120 cm hohen scharlachroten Blütenkerzen von Juli bis Oktober. Eine kleinere Variante ist die Sorte `Blackfield´. Die leuchtend blutroten Blüten bleiben mit 70 cm etwas kleiner und lassen sich so gut mit anderen Beetstauden kombinieren. Als Bodendecker eignet sich die Sorte ‘Inverleith’ hervorragend. Sie wird nur 60 cm hoch, blüht rot mit kurzen Kerzen und bildet einen ganz dichten Laubteppich.

Attraktive Begleitpflanzen zu Knöterich

„Die Wirkung von Stauden-Knöterich lässt sich durch die richtigen Begleitstauden noch unterstreichen“, erklärt Stade. Der Scheckenknöterich (Bistorta affinis) wird gerne als Bodendecker verwendet, er kann mit Partnern, die andere Blatt- und Blütenformen aufweisen, zu attraktiven Pflanzflächen gestaltet werden. Immergrüne Bergenien (Bergenia), Funkien (Hosta) oder Gräser (Carex) bieten sich hier an, zum Beispiel vor einer Gehölzkulisse. Vertikale Akzente in gemischten Pflanzungen setzt der Kerzen-Knöterich (Persicaria amplexicaulis). Die Blüten erheben sich steil senkrecht und klar aus dem Laub. Der Kerzen-Knöterich wächst senkrecht nach oben und lässt sich deshalb gut mit anderen Stauden wie Herbstanemonen (Anemone hupehensis oder Anemone japonica), dunkellaubigen Oktoberkerzen (Cimicifuga) oder mit Flammenblumen (Phlox) zu harmonischen Spätsommer- und Herbstbildern pflanzen. „In weißen Gärten ergibt die Sorte Bistorta amplexicaulis `Album´ zusammen mit weißblühenden Herbstanemonen (Anemone japonica), graulaubigen Gräsern (Festuca), Herbstastern (Aster divaricatus) oder weißen Flammenblumen (Phlox paniculata) edle Kombinationen, schwärmt der Staudenliebhaber.

Knöteriche für den Naturgarten

Ein Knöterich für den naturnahen Garten ist der Wiesen- oder Schlangen-Knöterich (Bistorta officinalis), im Schweizer Volksmund auch „Zahnbürste“ genannt. In freier Natur ist er in feuchten Talgründen oder Berghängen in einer großen Vielzahl anzutreffen. Im Garten ist diese äußerst robuste und wüchsige Pflanze vor allem für nährstoffreiche, feuchte Böden in sonniger bis halbschattiger Lage zu empfehlen. „Eine ganz unkomplizierte Pflanze“, meint Andre Stade, „die bereits von Mai bis Juli mit rosa Blütenkerzen blüht und im Sommer eine weitere Nachblüte verspricht.“ Besonders gut eignet sich die ca. 60 bis 100 cm hoch wachsende Pflanze für den Gewässerrand. Die Sorte `Superbum´ (Bistorta officinalis) bildet kompakte Blattbüschel aus und bringt etwas größere intensiv rosa Blüten hervor und wirkt durch ihre Verzweigung reichblühender als ihre Artgenossen. Sie wird 80 cm hoch. „Obwohl die Form nicht wuchert, sollte man zu anderen Pflanzen etwas Abstand lassen”, mahnt Staudengärtner Stade an.

Wussten Sie schon?

„Das Sortiment der Stauden-Knöteriche birgt auch Riesen in ihren Reihen“, erklärt Andre Stade. Eine imposante Großstaude ist der Garten-Bergknöterich (Aconogonon speciosum `Johanniswolke´). Er kann bis zu zwei Meter hoch werden, ist sehr standfest, wuchert nicht und eignet sich daher hervorragend als Hintergrund in Pflanzungen, als Sichtschutz oder sogar als Gehölz-Ersatz. „Seine cremeweißen Blüten lassen von Juni bis August ein Bild aus Wolken im Garten entstehen“, erzählt der Stauden-Liebhaber. Die Blüten duften sogar leicht süßlich. Im Abblühen werden sie blassrosa, später bräunlich und sehen bis in den Herbst hinein attraktiv aus. Aus den oberen Knoten treiben seitlich oft Blütentriebe aus und sorgen so für eine Nachblüte. Stade hat die Erfahrung gemacht, dass der Garten-Bergknöterich zwar nicht wuchert, im Laufe der Jahre aber etwas Platz im Garten benötigt. Für weitläufige Gartenanlagen ist er ein echter Blickfang, der bis zum Frost attraktiv aussieht und der als Solitär oder Gruppe eine bestimmende Rolle in einer Pflanzung einnehmen kann. Die Sorte `Johanniswolke´ ist nach ihrem Blühtermin zu Johannis, am 21. Juni benannt.

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