(GMH/BdF) Die Frage „willst du wirklich Totengräber werden?“ musste sich Oliver Weygold nur zu Beginn seiner Ausbildung anhören. Heute kann der frisch gebackene deutsche Meister der jungen Friedhofsgärtner über den Vergleich nur schmunzeln. Denn mit dem im Mittelalter als „unehrenhaft“ geltenden Beruf eines Menschen, der mit der Schaufel Gräber aushebt, hat ein Friedhofsgärtner keinerlei Gemeinsamkeiten. Im Gegenteil: der Beruf ist weder gruselig noch altmodisch, sondern bietet viele Facetten und sonnige Zukunftsperspektiven.

Willst du wirklich Totengräber werden?

Bildunterschrift: Oliver Weygold ist deutscher Meister der jungen Friedhofsgärtner. (Bildnachweis: GMH/BdF)

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Und wenn man gut darin ist, wird das auch anerkannt. Das hat Oliver Weygold jüngst selbst erfahren: Sein Beispielgrab wurde im Wettbewerb am 26. September 2013 auf der „Friedhofstechnik im Bildungszentrum Gartenbau Essen“ von den Preisrichtern mit der höchsten Punktzahl bewertet. Qualifiziert hatte er sich als Gewinner der hessischen Meisterschaft der Friedhofsgärtner.

Dass er ein exzellent modelliertes Grab anlegen kann (auf seinem Siegergrab hat er einen Hügel mit Bodendeckern gepflanzt sowie einen Bogen mit Herbstpflanzen gestaltet), hat er seiner guten Berufsausbildung zu verdanken. Dabei ist der neue deutsche Meister eher zufällig zu diesem Ausbildungsberuf gekommen. Da zum Abschluss seines Fachabiturs ein Praktikum notwendig war, bot es sich an, dies in der nahe gelegenen Friedhofsgärtnerei zu absolvieren. In Anschluss wurde ihm eine Lehrstelle angeboten – die er gerne annahm. „Obwohl ich im Betrieb bekannt war, habe ich eine Bewerbungsmappe zusammengestellt und sie dem Betriebsinhaber überreicht. Das ist sehr gut angekommen“, berichtet Weygold. An seinem Job schätzt er besonders die Kreativität und den Umgang mit den Menschen. „Den lernt man bei der täglichen Arbeit. Von der Frage nach bestimmten Pflanzen bis hin zur persönlichen Beratung, wie ein Grab individuell zu den jeweiligen Jahreszeiten gestaltet werden kann, kommt alles vor. Solche Gespräche kann man in keiner Schule lernen.“ erzählt der Friedhofsgärtner.

An seinem Beruf gefällt ihm außerdem das breite Aufgabenfeld. Denn als Friedhofsgärtner lernt man nicht nur die Verwendung von Pflanzen kennen. Auch die Pflanzenzucht und -vermehrung, den Umgang mit den unterschiedlichsten Geräten, das Binden von Kränzen sowie Sträußen gehören dazu. Selbst kleinere Reparaturen an den verschiedenen Werkzeugen können hin und wieder anfallen.

„Da es für uns Gärtner kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung gibt, sind wir fast immer draußen zu finden“, erzählt der deutsche Meister der jungen Friedhofsgärtner. „Auch jetzt im Herbst haben wir viel zu tun. Denn in diese Zeit fallen die Totengedenktage wie Allerheiligen, der Totensonntag oder der konfessionsübergreifende Volkstrauertag. Dann fertigen wir beispielsweise floristische Werkstücke nach den Vorstellungen der Kunden an. Aber auch um die Winterabdeckung kümmern wir uns. Das bedeutet, dass wir zum Beispiel bunte Beete anlegen, oder ganz klassisch die Gräber mit Mustern aus Tannenzweigen, Wacholder sowie Moosstreifen gestalten. Verziert werden sie dann etwa mit Tannenzapfen und anderen winterharten Naturmaterialien sowie Pflanzen. Dabei achten wir immer darauf, die passende Gestaltung in enger Absprache mit dem Kunden vorzunehmen.“

Neben der kreativen Neuanlage gehört beispielsweise auch das Ausheben der Gräber, die Dekoration am Grab und eine provisorische Herrichtung zu den Ausbildungsinhalten. Dabei ist stets auch die fachliche Beratung der Angehörigen in allen Schritten der Bestattung eine wichtige Aufgabe. „Hier ist besonderes Fingerspitzengefühl gefragt“, merkt Oliver Weygold an. „Die Trauernden haben gerade einen Angehörigen verloren. Im Gespräch müssen wir herausfinden, welche Wünsche der Verstorbene hatte oder die Angehören an die Grabgestaltung stellen. Vielfach gibt es Lieblingsblumen oder Lieblingsfarben, und das können wir bei der Gestaltung berücksichtigen. Daher ist es wichtig, dass wir uns ein breites Pflanzenwissen aneignen, um entsprechend des Grabstandortes die Pflanzen auswählen zu können“, erklärt der Friedhofsgärtner.

Für Friedhofsgärtner-Auszubildende sieht Oliver Weygold gute Berufsperspektiven. „Gerade die neu entstehenden Memoriam-Gärten und die gärtnerbetreuten Gemeinschaftsgrabanlagen bieten uns gute Zukunftsperspektiven.“ Für einen engagierten angehenden Auszubildenden wird es zudem kein Problem sein, einen passenden Ausbildungsbetrieb zu finden, ist er überzeugt. Für ihn persönlich hat sich die Ausbildung zum Friedhofsgärtner auf jeden Fall gelohnt. Denn dank seiner guten Leistungen und der sehr guten Abschlussergebnisse ist er der deutsche Meister junger Friedhofsgärtner. Als ihn sein Ausbildungsbetrieb nicht übernehmen konnte, war ein neuer Arbeitgeber im gleichen Ort schnell gefunden.

Wer sich für die Aufgaben des Gärtners der Fachrichtung Friedhofsgärtnerei und eine entsprechende Ausbildung interessiert, kann sich auf der Internetseite www.beruf-gaertner.de informieren. Dort findet man ebenfalls Ansprechpartner und nützliche Bewerbungs-Tipps.

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Die Ausbildung zum Friedhofsgärtner

Das Pflanzenwissen erlernt ein Friedhofsgärtner-Azubi während seiner dreijährigen Ausbildung. Die Ausbildung selbst erfolgt im Betrieb und dem tage- oder blockweisen Besuch der Berufsschule. Dazu kommen noch überbetriebliche Lehrgänge, die das Praxiswissen vertiefen. Wer es nicht nur bei der Ausbildung belassen will, kann mit der Weiterbildung zum Meister oder Techniker weitere Qualifikationen sammeln. Mit diesen Weiterbildungen stehen einem Friedhofsgärtner leitende Funktionen in Unternehmen und Betrieben offen. Wenn es noch ein wenig höher hinausgehen soll, ist ein Studium der Landschaftsarchitektur oder ein klassisches Gartenbaustudium möglich.

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