(GMH/BDC) Champignons auf Rezept? So absurd ist das gar nicht. Die Pilze enthalten Stoffe, die Heilwirkung besitzen. Wissenschaftler arbeiten daran, sie gezielt einsetzen zu können. Champignon-Lektine, kurz ABL genannt, sind das Ziel ihrer Bemühungen. AB steht für den wissenschaftlichen Namen des Champignons Agaricus bisporus und L für Lektin. Der Begriff Lektin kennzeichnet große Moleküle, die die Fähigkeit haben, sich an Zellwände anzulagern. Sie setzen sich aus einem Protein und einer daran gelagerten Kohlenhydratgruppe zusammen. Es gibt unglaublich viele von ihnen. Einige sind gefährlich, andere stecken voll guter Eigenschaften wie die des Champignons.

Champignon-Lektine im Blick der Wissenschaft

Bildunterschrift: So zubereitet sind Champignons nicht nur unglaublich lecker sondern auch Gesundheit pur.( Bildnachweis: GMH/BDC)

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Antiproliferativ ist das Wort, das die Wirkung der ABL beschreibt. Das heißt, die Champignon-Lektine hemmen übermäßiges Zell- und Gewebewachstum (Proliferation), das beispielsweise Krebszellen so gefährlich macht. Die Champignon-Lektine nehmen insbesondere auf die Epithelzellen Einfluss, also auf die Zellen, die die Oberfläche von Organen oder der Haut bilden. Sie sind häufig der Ort, an dem sich Krebszellen bilden. Das Besondere an den Champignon-Lektinen: Sie wirken weder zellschädigend noch unterdrücken sie dauerhaft die Zellteilung. Das heißt auf die natürliche Regeneration der Zellen nehmen sie keinen Einfluss. Wissenschaftler wie Lugang Yu drücken das so aus: „Das Lektin des Agaricus bisporus scheint ein reversibler, nicht-zytotoxischer Inhibitor der epithelialen Zellproliferation zu sein“ (zitiert nach American Association for Cancer Research). Yu kommt zu dem Schluss, dass ABL eines Tages als Antikrebsmittel zum Einsatz kommen könnte.

Hemmung von Krebszellen ist aber nur die eine Seite. Positive Wirkung wurde auch bei Hauterkrankungen wie Schuppenflechte (Psoriasis) oder Hyperkeratosen beobachtet. Auch dort dämpft das Lektin aus den Champignons die überschießende Zellreaktion. Forscher versuchen daher ABL in Cremes, Salben oder Gel einzubinden, die die übermäßige Zellbildung der Haut hemmen, sie glätten und Juckreiz sowie Entzündungsreaktionen lindern. Ein erstes Patent ist beantragt.

Hilfreich sind die ABL auch für Menschen, bei denen Wundheilung mit starker Narbenbildung einhergeht. Auch hier können die Champignon-Lektine Steuerungsfunktion übernehmen. Besondere Bedeutung hat diese Erkenntnis für Glaukom-Operationen. Deren Erfolg wird häufig durch anschließende starke Narbenbildung zunichte gemacht. M. Batterbury, Universität Liverpool, weist dem Zuchtchampignon wichtige Schlüsselmerkmale zur Kontrolle dieser Narbenbildung zu. „Das macht den Agaricus bisporus möglicherweise zu einer wichtigen Substanz für subtile Wundheilungsmodifizierung, auch wenn hierzu weitere Studien notwendig sind“.

Es wird dauern, bis all diese Facetten des Champignons erforscht sind und er „auf Rezept“ erhältlich sein wird. So lange warten muss man natürlich nicht. Wer sich häufig den Genuss der köstlichen Pilze gönnt, versorgt seinen Körper gut mit den hilfreichen Lektinen und der Gesundheit tut das nur gut.

Viele weitere interessante Informationen zu Speisepilzen finden Sie auf der Website www.gesunde-pilze.de.

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