(GMH/BdS) Unter ihrem deutschen Namen Wiesenknopf gehört die Staude des Jahres zu den bekannten Wildpflanzen. Der natürliche Charme dieser Gattung steht auch dem Garten ausgezeichnet und die Sortenvielfalt ist größer als gedacht.

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Wäre die Staude des Jahres Teil eines Orchesters, würde sie weder die erste Geige spielen noch auf die Pauke hauen. Die leisen Töne machen bei Sanguisorba die Musik. Woran das liegt? Es fehlen die Blütenblätter, die botanisch korrekt Kronblätter heißen und mit ihren Farben für Fernwirkung sorgen könnten. Stattdessen schmückt Sanguisorba die Beete mit Köpfchen, genauer gesagt mit Kelch- und Staubblättern. Die sehen zurückhaltend aus und berühren dafür anderweitig. Schon bei einer leichten Brise wiegen sich die Blüten im Wind und scheinen in der Luft zu schweben. Je nach Art und Sorte erinnern sie an Köpfchen, Flaschenbürsten oder hängende Ähren und blühen in Rotbraun, Weiß oder Rosa auf. Ihre Hauptblütezeit fällt bei den meisten Sorten in den Hochsommer, zwischen Juni und August.
Beate Zillmer aus Uchte kennt die Vielfalt der Gattung Sanguisorba. In ihrer zwischen Bielefeld und Bremen gelegenen Gärtnerei „Zillmer Stauden und Gräser Jungpflanzen“ wurden alle Sorten vermehrt, die für die Sichtung des Sortiments an verschiedenen Standorten gepflanzt und mehrere Jahre beobachtet und geprüft wurden. Die meisten Sorten haben diesen bereits 2017 abgeschlossenen „Stauden-TÜV“ mit gut, sehr gut oder ausgezeichnet abgeschlossen. Dass sich die Wiesenknöpfe nicht nur in dieser Prüfung durch den Arbeitskreis Staudensichtung, sondern längst auch in den Gärten bewährt haben, wundert die Fachfrau nicht: „Mit ihnen lassen sich Beete gestalten, die an eine Wiese erinnern. Diese natürlich wirkende Leichtigkeit liegt im Trend.“ Gut möglich, dass die Nachfrage weiter steigt, denn langweilig sind Wiesenknöpfe nicht, erzählt die gelernte Staudengärtnerin: „Sie sehen ja nicht alle gleich aus. Mittlerweile ergänzen viele verschiedene Sorten die Wildart mit unterschiedlichen Blütenformen. Auch ihr Wuchs variiert.“ Sie spricht aus Erfahrung, denn zum Sortiment ihrer Gärtnerei zählen kompakte Sorten wie die rund 50 cm hohe ‚Tanna‘ ebenso wie ‚Henk Gerritsen‘, der durchaus zwei Meter aufragen kann.
Vielfalt mit heimischen Wurzeln
Gut möglich, dass Sie den Wiesenknopf schon gegessen haben, denn der Kleine Wiesenknopf (Sanguisorba minor) wird auch Pimpinelle genannt. Die anspruchslose Wildstaude wird nur 30 cm hoch, hat unscheinbare Blüten und wird wegen des frischen, gurkenähnlichen Geschmacks ihrer Blätter im Kräuterbeet angebaut. Dagegen leuchtet das samtige Rotbraun des Großen Wiesenknopfs (Sanguisorba officinalis) zur Blütezeit im Hochsommer in der Sonne. Er kann sich sehen lassen und variiert in der Höhe: An nicht zu trockenen Standorten macht er seinem Namen alle Ehre und wird über einen Meter groß. Die daraus entstandenen Sorten variieren in ihrer Höhe: Neben der erwähnten kompakten ‚Tanna‘ zählen die weit über einen Meter hoch wachsenden ‚Burgundy‘ und ‚Arnhem‘ zu den Sorten von Sanguisorba officinalis.
Verwandte aus Fernost
Noch höher hinaus als der Große Wiesenknopf streben die meisten Sorten, die aus Sanguisorba tenuifolia entstanden sind. Die aus Japan stammende Art hat einen großen Anteil daran, dass Sie der Staude des Jahres auch auf Augenhöhe begegnen können. Bestes Beispiel ist die schneeweiße Sorte ‚Albiflora‘, die mit ihren bis zu 220 cm hohen Blütenstielen förmlich von oben herabschaut. Sie lässt ihre Blütenähren nach unten hängen, ohne sich dabei selbst hängen zu lassen. In der Praxis hat sie sich als sehr standfest erwiesen. Ebenfalls zur Vielfalt dieser Gattung tragen Japanischer Wiesenknopf (Sanguisorba obtusa) und Koreanischer Wiesenknopf (Sanguisorba hakusanensis) bei. Sie bilden in ihren hängenden Blüten sehr lange rosafarbene Staubgefäße und setzen damit in flauschige Formen verpackte farbenfrohe Akzente. Aufrecht und purpurfarben präsentiert sich der aus Ostasien stammende Sanguisorba menziesii, der hierzulande noch weitgehend unbekannt ist.
Hübsches Hin und her
Bei vielen Sorten handelt es sich um Zufallssämlinge, denn die diversen Arten der Wiesenknöpfe kreuzen sich untereinander. Wer die Eltern waren, lässt sich oft nur vermuten. Bei fransig-flauschigen Hybriden mit Hängeblüten wie ‚Pink Brushes‘ und ‚Weihenstephan‘ dürfte Japanischer Wiesenknopf beteiligt gewesen sein. Gut möglich, dass in Ihrem Garten weitere hübsche Zufallssämlinge entstehen, denn Sanguisorba wird von Schmetterlingen wie dem Wiesenknopf-Ameisenbläuling, Wildbienen und anderen bestäubenden Insekten angeflogen. Beate Zillmer überlässt in ihrem Betrieb die Vermehrung nicht dem Zufall. Ihre Kunden sind allesamt vom Fach, denn die Jungpflanzengärtnerei beliefert ausschließlich Profis, also andere Staudengärtnereien: „Wir müssen sortenecht liefern und vermehren die Stauden vegetativ. Dann entspricht der Nachwuchs exakt der Mutterpflanze.“ In Ihrem eigenen Beet können Sie das muntere Kreuzen und die Selbstaussaat entspannter sehen. Möchten Sie diese verhindern, schneiden Sie die Pflanzen nach der Blüte über dem Boden ab. Dann bilden sich keine Samen und das hübsche, gefiederte Laub treibt wieder frisch durch.
Pflanzpartner für Wiesenknöpfe
Stauden und Gräser, die sich das Beet mit Sanguisorba teilen, sollten auch die gleichen Ansprüche an den Standort haben, also ebenfalls einen leicht feuchten, nährstoffreichen Boden und sonnige bis halbschattige Lagen bevorzugen. Dann stimmt die Basis für eine lang währende Beziehung. Die Blütenfarben lassen sich gut kombinieren: Wahlweise Ton in Ton mit Kerzen-Knöterich (Bistorta amplexicaulis), der je nach Sorte ebenfalls in Rottönen, Rosa und Weiß blüht. Auch kunterbunte Kombinationen mit Sonnenbraut (Helenium), Indianernesseln (Monarda) oder Glockenblumen (Campanula) und Storchschnabel (Geranium) sind möglich. Im Halbschatten und vor einem dunklen Hintergrund, zum Beispiel einer Hecke, machen sich weiße Sorten wie ‚Burr Blanc‘ gut. Sie lassen sich mit den hell blühenden Sorten der Prachtspieren (Astilbe) oder Wiesenrauten (Thalictrum) kombinieren. Beate Zillmer hat darüberhinaus die unterschiedlichen Blattformen im Blick: „Sanguisorba lässt sich gut mit großblättrigen Pflanzen kombinieren. Wenn die höheren Arten ihre Blüten über den Blättern von Hosta oder Ligularia tanzen lassen, bringt das einen zusätzlichen Wow-Effekt ins Beet.“ Das Spiel der Formen lässt sich mit Gräsern als Pflanzpartnern fortsetzen. Ihre einfachen Halme unterscheiden sich deutlich vom fein gefiederten Laub und den Blüten von Sanguisorba. Bewährt hat sich das Japanische Berggras (Hakonechloa macra), das mit seinen bogig überhängenden Blättern grüne Wellen bildet. Über diesem Gräsermeer scheinen die Blüten des Wiesenknopfs förmlich zu schweben.
Dass der Wiesenknopf nicht die erste Geige spielt, erleichtert das Kombinieren. Erst recht, wenn ein bereits bestehendes Beet ergänzt werden soll. Die völlig frostharte Art kann zwischen März und November gepflanzt werden. Wenn Sie also Lücken entdecken und dem Garten eine Portion Natürlichkeit spendieren möchten, ist nahezu immer der richtige Zeitpunkt, um die unaufdringliche Staude des Jahres in den Garten zu holen.
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Unser Zusatzangebot: „Staude des Jahres 2027: Sanguisorba – aus der Wiese in den Garten“: Zu diesem Mediendienst bieten wir Ihnen zusätzlich folgende Bildmotive an, die Sie ohne Registrierung unter https://www.gruenes-medienhaus.de/artikel/34797 herunterladen können:

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